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Der richtige Platz

Eine einzige Paeonie am Strauch.

Eine einzige Paeonie nach 7 Jahren Wartezeit.

Diese eine Blüte hat mich etwas kostbares gelehrt.

Vor sieben Jahren, als wir in das Mietshaus zogen, hatte ich noch absolut keine Ahnung vom Gärtnern. Ich liebte aber sehr wohl Blumen und wollte unbedingt ein Meer an Blumen und eigenes Gemüse ziehen, doch meine Kenntnisse auf diesem Gebiet befanden sich bei Null. Als wir damals also in das Haus mit Garten zogen bot sich mir hier DIE Gelegenheit… Ich konnte und wollte mich austoben.

Und genauso ging ich auch vor…

Ich lief absolut Kopflos durch die Gärtnereien und kaufte Querbeet alles was meinem Schönheitsanfälligem  Auge gefiel, ohne Rücksicht auf Standort- oder Bodenwunsch der Pflanze. Und auf dieselbe Art Pflanzte ich die erworbenen Pflänzchen schließlich auch ein. Ich verteilte sie querbeet in den vorhandenen Beeten und dachte gar nicht darüber nach ob sie irgendwelche Partner oder Stellen gar nicht mochten. Frei nach dem Motto, es ist überall gleich gut und wunderbar.

Während alles andere im Garten entweder auf gut Glück wunderbar Gedieh und Blühte, gaben andere fast direkt den Geist auf und segneten das zeitliche. Das war für mich dann eindeutig, ich wusste, ich machte etwas richtig oder eben auch nicht. So lernte ich. Learning by Doing auf Kosten der Blumen.

Nur diese eine Pfingstrose, die gab mir meines Erachtens kein eindeutiges Zeichen.

Als ich sie kaufte, blühte sie nicht, ich wusste nur vom Etikett wie sie aussehen könnte. Im Jahr darauf blühte sie auch nicht und im Jahr darauf auch nicht. Da dachte ich noch „Lass ihr mal Zeit, sie ist noch jung,  im nächsten Jahr wird sie bestimmt blühen.“ Aber sie tat es nicht. Im Jahr 4 und 5 wollte ich sie ausbuddeln und wegschmeissen, weil sie immer noch nicht blühte. Das war doch völlig sinnlos… Eine Blume die nicht blüht ist nutzlos und nimmt den Platz einer blühenden Blume weg. Die Paeonie überlebte nur, weil mein Mann mich jedes Jahr bat: „Schatz, lass sie doch stehen, vielleicht kommt sie im nächsten Jahr mit Blüten wieder!“ Sie überlebte also Schlussendlich wirklich nur wegen dem Liebsten!

In Jahr 6 bekam sie plötzlich kleine Knöspchen und wir reden hier wirklich von Mini-Knöspchen, die sich natürlich nicht zu einer Blüte entwickelten… Also sagte ich zu meinem Mann: „Schatz, du siehst doch selber dass sie nichts taugt! Im Herbst kommt sie weg!“ „Kannst du sie denn nicht erstmal woanders hin pflanzen, bevor du sie entsorgst?“ fragte der Liebste bittend. „Also ehrlich,“ erwiderte ich  „Blumen sind dir doch eigentlich völlig egal. Du lachst sogar immer über meine Euphorie bezüglich der Blumen, aber willst diese nutzlose Pflanze retten?“ Ich ließ mich also wieder einmal breitschlagen weil ich dem Liebsten einen Gefallen tun wollte und pflanzte die Pfingstrose im Herbst von Jahr 6 an einen sonnigeren Platz, etwas weiter weg von den anderen Blumen….

Im Frühjahr des 7. Jahres entdeckte ich dann tatsächlich eine Knospe die sehr vielversprechend aussah!!! Ich konnte es ja fast gar nicht glauben, dass nach so langer Zeit tatsächlich eine Blüte am Strauch der Pfingstrose entstand. Welche Farbe würde sie denn überhaupt haben und wäre die Blüte gefüllt oder nicht? Das alles wusste ich nach all der Zeit gar nicht mehr.

Bei all den Gedanken, die mir so durch den Kopf gingen, fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen:

Sie hat einfach einen anderen Standort gebraucht. Die Pfingstrose hatte sich an der alten Stelle nicht wohl gefühlt. Der Nährboden war derselbe, aber ihre Nachbarschaft hat sich verändert…Sie stand nicht mehr im Schatten zwischen zwei mächtigen Nachbarn… Sie ist herausgetreten ans Sonnenlicht und konnte sich plötzlich frei entfalten. Plötzlich war diese Pfingstrose für mich spannend und interessant…

Sie hat mir erzählt: Es ist wie bei uns Menschen!

Ich habe mich persönlich in der Paeonie wiedererkannt… und einige von euch werden sich bestimmt auch wiederfinden…

Wir schwächeln, sind kraftlos und antriebslos… in unserem Leben gibt es keine sichtbaren Früchte oder Erfolge… und ich meine hier nicht irgendeine Erfolgreiche Karriere die steil in den Himmel geht. Ich meine die Taten im täglichen Leben, die Früchte treiben und uns mit Glück und Zufriedenheit erfüllen. Liegt es nicht tatsächlich vielleicht an der Umgebung? An den Menschen mit denen wir verkehren, schlechte Gewohnheiten die wir uns angeeignet haben, Worte, von anderen ausgesprochen, die an uns nagen und uns verkümmern lassen?

Mir ist sehr bewusst das so ein Standortwechsel nicht einfach ist. Es ist schwer sich von falschen Freunden oder schlechten Menschen zu trennen, es ist anstrengend Gewohnheiten zu ändern und sehr schmerzhaft sich den Worten anderer Menschen zu entziehen, die in unserem Kopf viel Raum einnehmen und uns zerstören wollen.

Aber was passiert, wenn du in die Sonne ziehst? Wenn du die „einengenden, mächtigen Nachbarn“ verlässt, alle Läuse abschüttelst  und plötzlich frei atmen und dich entfalten kannst. Was ist. wenn es keinen Schatten mehr gibt der dich überfällt und dir die wärmenden, energiespendenden Sonnenstrahlen raubt? Genau! Du wirst merken wie Leben dich durchflutet, wie Kraft anfängt zu fließen und du dich plötzlich weiterentwickeln kannst… Bis du eigene Früchte trägst.

Das ist ein Prozess… nicht einfach.. benötigt viel Mut… Aber lohnt sich!

Du wirst in unendlicher Schönheit blühen,

wenn du die Strapazen einer Veränderung auf dich nimmst.

Die Blüte ist die Belohnung.

Ich wünsche dir, dass du die Kraft zum blühen findest!

 

Fang an zu blühen!

Deine Vicky

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